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Frankfurt im Februar´08:
Audiomitschnitt einer Veranstaltung mit Moishe Postone

Broschüre “Islamismus - Kulturphänomen oder Krisenlösung”
Ex-KP Berlin / nun TOP-Berlin

Ratgeber zu Neonaziangriffen
der antifaschistischen aktion aus Gera


Soli-Party im Juzi
Gegen den alltäglichen Rassismus und für einen neuen Afro-Shop in Göttingen!

22.11 | 22.00h | JuzI (Bürgerstr.41)
Antifaschistische Gruppe Braunschweig
Antifa-Info-Abend
zum Thema Geschlechterrollen in der extremen Rechten
25.11 | 19.00h | Nexus (Braunschweig)
Veranstaltungsreihe zu Krise & Kapitalismus
"SYSTEM FAILURE - DO NOT CONTINUE"
Krise: Analysen, Auswüchse, Ausblicke

Marx-Lesekreis in Göttingen

beides wird veranstaltet von der Gruppe 180 Grad
Naziaufmarsch verhindern!
| Freiraum-Phase2 |
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| Aktuelles - über uns | |
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Knapp ein Jahr ist vergangen seit dem Juni 2007, seit der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel. Ein breites Spektrum wälzte sich durch die ostdeutschen Straßenschluchten. Nicht alles was links ist war da, aber alles was da war verstand sich als links. Mit dabei war der vorsichtige Versuch, an all dem und dem Ganzen grundsätzlich Kritik zu üben. Zugegeben: Wir langweilen uns selbst ein bisschen, während wir diese Zeilen verfassen. Der große Aufbruch ist ausgeblieben – Genua im Kopf, Rostock vor Augen. Die Frage, wohin es hätte gehen sollen, konnte sie nicht beantworten. Eine Perspektive, wie und vor allem mit wem das falsche Ganze aufzulösen wäre, scheint nicht in Sicht. Freiräume sind ein Ausdruck dieser Perspektivlosigkeit. Im Moment des permanenten Niedergangs linksradikaler Bewegung geht von ihnen ein gewisser Charme aus, will man doch die Überwindung des falschen Ganzen nicht von der Tagesordnung streichen. Diese falsche Attraktivität gaukelt uns die Möglichkeit des ungebrochenen „Weiter so!“ nur vor, während sie die Tatsachen verstellt: Der Kommunismus ist bis auf weiteres vertagt. Aus diesem Blickwinkel stellt sich die Forderung nach dem Freiraum als nichts anderes dar als eine Verkürzung der Forderung nach der freien Gesellschaft.
Das Zerbrechen von Theorie und Praxis Um die Existenz eines Ortes neben der Gesellschaft, an dem die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise außer Kraft treten, annehmen zu können, müssen die Betreffenden ein falsches Verständnis von Theorie und Praxis[i] haben. Praxis ist die Transformation des gesellschaftlichen Seins, also die Aneignung der materiellen Grundlagen von Gesellschaft mit dem Ziel, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden. Ihr Gegenstand ist die Gesellschaft als Ganzes. Die Form von Praxis, die der Freiraum impliziert, versucht aber gerade als Teil den Ausstieg, während sie das Ganze unangetastet lässt. Sie kann nur ernsthaft daran glauben, weil sie - die Unbezwingbarkeit des Gegners vor Augen - den Bezug zu einer Theorie verloren hat, die aufs Ganze geht; Eine Theorie, die die Totalität der kapitalistischen Verhältnisse offen legt und damit erst angreifbar macht; Die davor schützt, sich über die Grenzen des eigenen Handelns falsche Vorstellungen zu machen. Die Theorie wiederum, deren Aufgabe es ist, die Wirklichkeit – und damit die Bedingungen von Praxis - begreifbar zu machen, sieht sich ihres gesellschaftlichen Trägers beraubt. Sie findet keinen praktischen Ausdruck, der ihr angemessen ist. Im Extremfall hört sie auf, danach zu suchen oder meint gar, es gäbe ihn nicht mehr. Wenn sie aber keine Möglichkeit hat, wirkungsmächtig zu werden, nicht einmal ihren eigenen Wahrheitsgehalt an der Wirklichkeit zu überprüfen: Welchen Schluss kann sie dann noch ziehen, als den der eigenen Irrelevanz, der Isolation, des eigenen Untergangs? Auch hierfür lassen sich Exemplare benennen – Lesekreise, Theoriegruppen etc. Wenn aber Praxis und Theorie auf sich selbst zurück geworfen werden, es zum Bruch ihres dialektischen Verhältnisses kommt: Wie gut funktionieren die Einzelteile? Dies wollen wir zunächst betrachten. Angesichts des Zustandes der radikalen Linken wollen wir die Kritik des falschen Ganzen nicht ohne die Kritik der KritikerInnen verstanden wissen.
»Bitte machen Sie sich schon mal frei« Freiräume haben wieder Konjunktur. Ob auf den internationalen Freiraumtagen, in freien Radios, in besetzten Zentren oder der selbst verwalteten WG um die Ecke. Selten war das Wort „Freiraum“ derart präsent wie in den letzten Wochen und Monaten. Was unter einem Freiraum verstanden wird ist vielfältig und häufig auch diffus. Im Folgenden soll es um das politische Konzept gehen, sich einen Freiraum im Kapitalismus aufzubauen und zu verteidigen. Freiräume als Orte, den eigenen individuellen Lebensentwurf zu realisieren oder sich ein selbstbestimmtes Betätigungsfeld aufzubauen, ohne weitergehenden politischen Anspruch, können schwerlich politisch kritisiert werden. In diesem Sinn soll das Freiraumkonzept als ein Beispiel untersucht werden, eine linksradikale, antikapitalistische Praxis zu entwickeln. Das Freiraumkonzept will dabei einen unmittelbaren Ausgangspunkt für den Ausweg aus dieser Gesellschaft schaffen. Aus diesem Ansatz ergeben sich aber Probleme, die bei den Protagonisten solcher Freiräume häufig unter den Tisch fallen. Die Vorstellung, innerhalb des Freiraums die gesellschaftlichen Zwänge abzumildern oder gar aufzuheben und so letztlich den Kapitalismus zu überwinden, ist folgerichtiger Weise zweckoptimistisch und nur begrenzt reflektiert. Das kann nur funktionieren, wenn die Existenz des Kapitalismus an das unmittelbar bewusste Wollen und Handeln der gesellschaftlichen Akteure geknüpft ist. Sobald nur der Wille bestünde, aus dem Kapitalismus auszusteigen, würde sich das entsprechende Tun, die Praxis, von selbst ergeben. Oder einfacher ausgedrückt: Wer nur will kann jederzeit und überall aus dem Kapitalismus aussteigen. Die Attraktivität dieses Konzepts mag aus der relativen Perspektivlosigkeit linker Praxis resultieren. Wenn es gerade keine starke linke Bewegung gibt und auch keine in Sicht ist, scheint es am angenehmsten oder sinnvollsten zu sein, sich in sein autonomes Jugendzentrum oder sein linkes Wohnprojekt zurückzuziehen und zu versuchen das bisschen Spielraum, was geblieben ist, zu verteidigen. Die Verteidigung des bestehenden Freiraums, etwa eines besetzten Hauses, wird dabei leicht zum einzigen politischen Projekt und bindet Kapazitäten, anstatt welche zu schaffen. Sich dabei noch einzureden, es ginge um eine grundsätzliche Umwälzung der bestehenden Verhältnisse, bzw. dass diese Verhältnisse im Freiraum bereits aufgehoben wären, greift zu kurz. Wobei es uns hier weder um „Freiräume“ als kollektive oder individuelle Strategien, die die negativen Folgen des Kapitalismus für die Betroffenen weniger unangenehm gestalten sollen, noch um Lifestyle-Kritik geht. Es gilt sich die Voraussetzungen einer solchen Konzeption klar zu machen. Wenn eine solche Aufhebungsperspektive den Akt der Aufhebung an die subjektiven Vorstellungen der gesellschaftlichen Akteure knüpft, vergisst sie, die Frage nach den Bedingungen dieser subjektiven Vorstellungen und des gesellschaftlichen und individuellen Handelns zu stellen. Es ist dies die Frage nach der eigenen Verstrickung in die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft und deren Verkehrsformen. Ein derartiges Kapitalismusverständnis ist daher nicht nur zweckoptimistisch, sondern auch handlungstheoretisch reduziert. Der Kapitalismus ist aber ein gesellschaftliches System, dessen Logik, Zwängen und Zumutungen alle Mitglieder der Gesellschaft unterliegen. Diese Zwänge existieren durch die Gesamtheit des Handelns aller in der Gesellschaft. Sie werden den einzelnen Individuen als quasi naturgesetzlich zurück gespiegelt. Zu glauben, die Erkenntnis dieser Zwänge reiche aus, um sie im Freiraum aufheben zu können, heißt deren gesellschaftliche Wirkungsmächtigkeit übersehen. Der Versuch, sich rein individuell zu entziehen, durch den Rückzug in einen vermeintlichen Freiraum, auch mit mehreren Leuten, läuft auf individuelles Aussteigertum hinaus. Eine solche Abkehr von der Gesellschaft verzichtet auf den Anspruch, diese grundsätzlich zu verändern. Denn wenn es sich beim Kapitalismus um eine Totalität handelt, dann kann er nicht in nur einem Bereich, einem Jugendzentrum, einer NutzerInnengemeinschaft, einem Stadtteil oder sonst einem Freiraum aufgehoben werden. Ganz abgesehen davon, dass schließlich auch die notwendigen Mittel zur Aufrechterhaltung eines solchen Freiraums von irgendwo her kommen müssen. Diese Mittel können nur aus der kapitalistischen Gesellschaft selber stammen. Denn letzten Endes wird auch der beste Freiraum nicht ohne Unterstützung von Außen existieren können, es sei denn die Protagonisten gehen von einer tropischen Südseeinsel fern jeder Zivilisation aus, was den Verzicht auf die gesellschaftlichen Errungenschaften der kapitalistischen Produktionsweise bedeutet, statt über die hinaus zu gehen. Wer den Verweis auf die Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft und deren alltägliche Produktion und Reproduktion als Abkehr von Praxis oder Strukturalismus bezeichnet, wendet sich von der Kritik ab, nicht weil die Ergebnisse als falsch erachtet werden, sondern, weil das Ergebnis unliebsam ist. Die Entwicklung einer reflektierten linksradikalen Praxis, die wirklich aufs Ganze geht, darf aber nicht vor ihrem Gegenstand, der kapitalistischen Totalität, kapitulieren, nur weil sich die Aufgabe vielleicht schwerer darstellt, als zunächst gedacht. Die Vorstellung eines solchen Freiraums geht also von reduzierten Theorie- und Praxisauffassungen aus, um seine Erfolgsprognose zu rechtfertigen. Freiraumpolitik in diesem Sinne lässt sich als unreflektierte Praxis begreifen, die sich keine Rechenschaft über ihre eigenen Möglichkeiten, aber auch Grenzen ablegt, sondern ihr Tun vorab immer schon als den Kapitalismus überwindend verstehen muss. Es ist zwar richtig, dass die Gesellschaft nur durch Praxis verändert werden kann. Es stellt sich aber die Frage, ob die verschiedenen Aktionsformen dazu geeignet sind, in diesem Sinne Praxis zu betreiben. Allzu oft handelt es sich um blinden Aktionismus. Die Kritik an diesem reduzierten Praxisverständnis ist eine wichtige Leistung der Theoriediskussionen und -entwicklungen seit den sechziger Jahren. Wer trotz der Erfahrungen und Debatten der Vergangenheit meint, so weitermachen zu können wie immer,[ii] hat grundsätzlich etwas nicht verstanden.
»Da können wir leider nichts für Sie tun« Als Reaktion auf dieses unreflektierte Praxisverständnis ist seit einigen Jahren eine verstärkte Hinwendung zu theoretischer Arbeit zu beobachten. Dem unreflektierten Praxisbegriff soll mit theoretischer Kritik oder auch so genannter „theoretischer Praxis“, also inhaltlicher Aufklärungsarbeit, abgeholfen werden. Diese Hinwendung zur Theoriearbeit führt zur Ausbildung von Theoriegruppen und –zirkeln als Teilbereichen der Linken. In manchen Städten und manchen Teilen der Linken sind Grundkenntnisse der Kritik der politischen Ökonomie[iii] ebenso geläufig, wie in den 1970er Jahren jedeR LinkeR dir aus dem Stand sämtliche nationalen Befreiungsbewegungen auf dem afrikanischen Kontinent aufzählen konnte. Selbstverständlich ist die Verbreitung von theoretischen Kenntnissen sehr zu begrüßen. Es stellt sich aber die Frage, ob damit auch ein entsprechendes Wissen um die Möglichkeiten und Grenzen von theoretischer Kritik und deren Verhältnis zu reflektierter Praxis einhergeht. Denn wenn Theoriebildung zum Selbstzweck wird und mehr der eigenen Selbstbestätigung und Abgrenzung gegenüber denjenigen dient, die es ja noch nicht begriffen hätten, läuft grundsätzlich etwas verkehrt. Kritische Theorie der Gesellschaft nimmt die gesellschaftliche Wirklichkeit als Ausgangspunkt ihrer Reflektion und will am Ende wieder bei der Gesellschaft, bzw. ihrer konkreten Umwälzung, landen. Ohne diese Zielbestimmung ist linke Theorie nicht von bürgerlichen, universitären Gesellschaftswissenschaften zu unterscheiden. Die Hinwendung zur Marxschen Kritik der politischen Ökonomie geht aber bei vielen Theoriegruppen einher mit genau einer solch grundsätzlichen Abkehr von der kritisierten Bewegungspolitik und damit Aufhebungsperspektive. Mit dieser freiwilligen Selbstbeschränkung auf theoretische Praxis erfolgt die Hinwendung zu wie auch immer gearteter kritischer Theorie zum Teil gar nicht erst aus den Erfahrungen politischer Praxis und deren Beschränkung, sondern ganz im Sinne sozialwissenschaftlicher Theoriebildung. Kritische Theorie kann so höchstens die vorhandenen Gesellschaftstheorien um eine besonders originelle und vor allem auch „bessere“ Variante ergänzen.[iv] So wie Marx von marxistischen Theoretikern seit der 2. Internationale immer wieder zum »besseren Politökonomen« erklärt wurde, so wird Marx heute vielfach als Argumentsteinbruch und „besserer Wissenschaftler“ gegen die bürgerliche Gesellschafts- und Sozialwissenschaft benutzt. Wer beispielsweise die Kritik nur benutzt, um der bürgerlichen Wissenschaft ihre Fehler nach zu weisen, zielt letztlich auf nichts anderes als die Anerkennung der eigenen Konzeption von Wissenschaft innerhalb des offiziellen wissenschaftlichen Kanons – als bessere Form von Wissenschaft, versteht sich. Natürlich ist die Kritik bürgerlicher Wissenschaft ein wichtiger Bereich linksradikaler Gesellschaftskritik, allerdings greift sie alleine zu kurz.[v] Problematisch wird die Einschränkung auf inhaltliche Bildungs- oder bestenfalls noch Aufklärungsarbeit etwa, wenn sie nicht mit einer Reflektion über deren immanente Möglichkeiten und Grenzen einhergeht. Ebenso wie die verschiedenen Formen der Praxis (Freiraumkämpfe, Ein-Punkt-Bewegungen etc.) muss sich theoretische Kritik die Frage gefallen lassen, was sie leisten kann und was nicht. Außerdem muss radikale Gesellschaftskritik ihre eigene Existenz und die Einsichtsfähigkeit der KritikerInnen erklären können. So wenig wie blinder Bewegungsaktionismus etwas mit realer gesellschaftlicher Bewegung zu tun hat, so wenig ist Theorie kritisch, die sich darauf beschränkt, bloß die bestehenden Verhältnisse zu beschreiben, anstatt ihnen den Kampf anzusagen. Sie muss darüber nachdenken, wie die formulierte Kritik praktisch werden kann - im materialistischen Sinne einer Aufhebung des falschen Ganzen. Nicht die Hinwendung zu einer gründlichen Analyse und zunächst ganz unpraktischen Kritik der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse ist also das Problem der Theoriearbeit - wie es von BewegungsfetischistInnen moniert wird -, sondern die Abkehr vom Wunsch, die entwickelte Kritik wirkungsmächtig, also praktisch werden zu lassen.[vi]
»Keine Sorge, wir geben Sie nicht auf« Es geht uns nicht darum, von der erhabenen Position der Kritisierenden aus die emanzipatorischen Ansätze anderer Leute zu zerreden. Wie wir aber gesehen haben, reicht ein emanzipatorischer Kern allein nicht aus. Es muss auch gefragt werden, in welche Richtung er sich – wenn überhaupt – bewegt. Der anfangs konstatierte Bruch des dialektischen Verhältnisses von Theorie und Praxis verschüttet gerade den Pfad aus dem Wald, in dem man vor lauter Bäumen sowieso nichts mehr sieht. Er verdammt die Praxis dazu, die alten Fehler zu wiederholen und neue Fehler zu begehen. Er wirft die Theorie auf die Philosophie zurück, wo es darauf ankäme, die Welt zu verändern. Es ist offensichtlich, dass die Praxis nur im Bewusstsein ihrer Bedingungen und Grenzen in der Wirklichkeit handlungsfähig ist und dass sie dafür einer Theorie bedarf, die zur Wirklichkeit drängt. Diese dialektische Einheit von Theorie und Praxis ist die Bedingung für eine realistische Politik; eine Politik, die weiß, wo sie ist und wohin sie will. Diese Bewegungspolitik hat zwei Aufgaben, die ineinander greifen. Erstens die Reorganisation der radikalen Linken; dementsprechend ist unser Papier zu verstehen: Als Versuch, die Begrenztheit momentaner Ansätze zu kritisieren, um die Notwendigkeit der Reflexion und Reorganisation zu verdeutlichen. Zweitens die Kritik des falschen Ganzen und der Versuch, eine Praxis seiner Überwindung zu entwickeln. Anzusprechen sind also sowohl die radikale Linke, als auch eine breitere Öffentlichkeit. Wir meinen, dass diese beiden Zielgruppen prinzipiell gleichermaßen anzusprechen sind; dass die radikale Linke nur am Beispiel einer realistischen Bewegungspolitik Orientierung finden kann; dass es also nicht ausreicht, wiederum nur die richtigen Argumente zu haben. Wir wollen daher den Rahmen einer Strategie vorschlagen, in dem Bewusstsein, dass er noch sehr grob ist. Es geht uns darum, einen Diskussionsprozess anzuregen, als dessen Ergebnis theoretische und praktische Entschlüsse gezogen werden, die für uns jetzt noch nicht abzusehen sind. Wir halten es erstens für notwendig, eine kritische Praxis zu entwickeln, die in gesellschaftliche Widersprüche eingreift; d.h. die dort eingreift, wo Menschen gegen die Symbole und Symptome der kapitalistischen Produktionsweise und der sie flankierenden Herrschaftsformen aufbegehren. Wir wollen uns dabei nichts vormachen: Mit jedem dieser Widersprüche sind Ideologien verknüpft, die historisch wieder und wieder bewiesen haben, wie schnell der emanzipatorische Kern des Protestes und Aufruhrs in die reaktionärsten Formen umschlagen kann. Es wird auch Situationen geben, in denen ein Anknüpfen nicht möglich sein wird. Einen Automatismus der Transformation jedenfalls - vom Streik zum Generalstreik, vom Generalstreik zur Revolution – gibt es nicht. Wir werden für unseren Standpunkt kämpfen müssen. Daraus folgt zweitens, dass eine kritische Praxis praktische Kritik üben muss; Dass sie über die unmittelbaren Widersprüche hinausgehen, die Totalität der Verhältnisse zeigen muss; Sich nicht verkürzen darf, nur weil es leichter scheint; Also rücksichtslose Kritik sein muss, die auch sich selbst und potentielle AnsprechpartnerInnen nicht ausnimmt. Das wird bedeuten, dass uns weniger Menschen zuhören werden, als denjenigen, die populistische Floskeln verbreiten. Was diese allerdings tatsächlich verbreiten, ist das, was die Leute schon zu wissen glauben: Nichts als die falschen und verkürzten Vorstellungen von der Wirklichkeit, die sowieso durch die Köpfe geistern. Eine Linke, die nichts anderes vertritt als alle Anderen, kann auf Publikum hoffen. Der Mehrwert der Kritik aber ist die neue Erkenntnis. Sie ist unser Fundament. Die Konkretisierung unseres Konzeptes von kritischer Praxis und praktischer Kritik haben wir mit dem …Ums Ganze!-Block in Rostock versucht. Während Andere dem Spektakel fern blieben, hielten wir es für nötig, uns ein zu mischen. Mit unserer Demo in der Demo haben wir ein Angebot gemacht, sich gegen das falsche Ganze und die falsche Kritik daran zugleich auszusprechen. Das Angebot wurde von immerhin 3000 Leuten angenommen. Dass das nur ein Anfang gewesen sein kann, ist klar. Uns ist bewusst, dass alles, was wir zunächst tun können, den Charakter einer Proto-Praxis hat. Eine Demonstration drückt erstmal nur den Konsens oder Dissens mit einer Sache aus, während sie im Normalfall die Sache selbst unberührt lässt. Das bedeutet nicht, dass sie unwichtig wäre. Es kommt darauf an, mit welchem Ziel und mit welchem Bewusstsein man sie durchführt; ob man die Leute überzeugen kann, oder eben nicht; ob wir jetzt alles, was wir tun können, richtig tun. Das sind die Grundlagen einer zukünftigen Praxis. Wir schauen auf die radikale Linke und dann nach vorne. Aus Reaktion muss Aktion werden. Langfristig geht es um unsere Handlungsfähigkeit. Operation geglückt. Patient lebt.[i] Im Artikel beziehen wir uns nicht auf jede Form von Theorie und Praxis in der bürgerlichen Gesellschaft, sondern nur auf diejenige Theorie und Praxis, die den Anspruch erhebt, die bestehende kapitalistische Gesellschaft mit all ihren Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Nationalismus aufzuheben; es geht also um linksradikale, emanzipatorische Theorie und Praxis.
[ii] wahlweise seit den siebziger, achtziger oder neunziger Jahren. [iii] Wahlweise auch aus der kritischen Theorie der Frankfurter Schule oder postrukturalistischer Theoriebildung. [iv] Hier lässt sich eine Analogie zu den Freiräumen bilden, insofern, dass ebenfalls ein Rückzug aus der Gesellschaft stattfindet, eine innere Immigration, in der bezugslose Theoriearbeit, die de facto nur um ihrer selbst Willen betrieben wird; also um die Tendenz, sich in das scheinbare Residuum geistiger Freiheit zurück zu ziehen und darauf zu hoffen, das Problem werde sich schon von selbst lösen. [v] Die Vorstellung, dass sich die eigene Kritik alleine durch ihre allgemeine Einsichtigkeit und Plausibilität durchsetzen würde, muss von der unrealistischen Annahme eines herrschaftsfreien Diskurses ausgehen, in dem sich nur die „richtigen“ Argumente durchsetzen. [vi] Diese Tendenz wird auch gerne mit dem Argument begründet, dass wir in „in Zeiten verstellter Praxis“ leben würden. Warum dem so sein soll wird nicht ausgeführt, sondern mit dem obligatorischen Autoritätsverweis auf Adorno begründet. vgl. z.B. den Artikel „Me and my Monkey“ von Jan Gerber Phase 2 Nummer 18/2005. |
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